RFID-Informationssysteme – Informationen das Öl der Zukunft

„Informationen sind das Öl der Zukunft“
Jörg Bald, Geschäftsführer Waldemar Winckel, im Gespräch mit Anja Van Bocxlaer, „RFID im Blick“ über die Entwicklung von Kundenwünschen, die Rolle von Big Data und die Generierung von Informationen durch neue Auswertungsmethoden.
Da die technologische Entwicklung von RFID bereits sehr weit fortgeschritten ist, liegt das Optimierungspotenzial nach Ansicht von Jörg Bald vor allem in der Generierung und Auswertung von Informationen: RFID eröffnet neue Quellen der Datengewinnung – und durch die Verknüpfung dieser gewonnenen Daten zu Informationen in einem zentralisierten System lassen sich bestehende Prozesse analysieren, Probleme identifizieren und Abläufe verbessern.

Herr Bald, bereits im Jahr 2000 begannen Sie, RFID zu einem festen Bestandteil von Winckel zu machen. Was kann RFID leisten und was fasziniert Sie daran?
Mich fasziniert, dass die RFID-Technologie Unternehmen die Möglichkeit bietet, ihre Prozesse und so ihr gesamtes Umfeld zu verändern. Der Vorteil der Technologie ist simpel: RFID ermöglicht die automatische Erfassung einer großen Menge an Identifikationsdaten. Der eigentliche Nutzen liegt aber im Umgang mit diesen Informationen, da oftmals nicht klar ist, wie Identifikationsdaten effektiv zu nutzen sind. RFID dient als Hebel, viel mehr Informationen indirekt zu erzeugen als es bisher möglich war. Aber wer nicht weiß, wie diese Informationen zu generieren sind, kann den tatsächlichen ROI seiner Investition oftmals nicht darstellen.
„Durch die Interpretation erfasster Positionsdaten erzeugen wir Informationen. Aus einem Standbild – am Ort X wurde beispielsweise ein Asset erkannt – generieren wir mittels verschiedener Logiken einen Film.“

Was hat sich in der Beziehung zwischen Winckel und seinen Kunden gewandelt?
Der Kunde hat sich nicht verändert. Aber wir haben unsere Verkaufsstrategie geändert: Während wir die Angebote früher direkt auf die konkreten Wünsche des Kunden hin ausgerichtet haben, entwickeln wir heute mit ihm zusammen seine Wünsche an die Applikation, bevor wir ihm etwas anbieten. Es findet ein Erstgespräch statt, in dem wir die von uns favorisierte Vorgehensweise präsentieren. Dann liegt es am Kunden, sich zu entscheiden, ob er unsere Philosophie mitträgt.

Welche Grundannahmen haben die von Ihnen integrierten Lösung gemein?
Wir verfolgen zwei Leitsätze. Die erste Prämisse lautet: „Informationen sind das Öl der Zukunft.“ Durch unsere Integrationstätigkeit und unser Engagement im RFID-Sektor ist uns deutlich geworden, dass ein Mehr an Informationen ein großes Potenzial für Unternehmen bietet. Beispiel Handelssektor: Dieser Bereich hat sich im Laufe der vergangenen Jahre erheblich gewandelt und richtet sein Angebot heute nach Informationen über den Verbraucher, Geschäftsstatistiken und Prognosen – also Big Data. Im technologischen Bereich sind die Entwicklungen bereits soweit fortgeschritten, dass dort kaum noch Optimierungspotenziale gesehen werden.
Unsere zweite Prämisse lautet: „Die Basis für die digitale Gewinnung von Informationen ist die intelligente Interpretation von Bewegungen.“ Durch das Anreichern von gewonnen Identifikationsdaten mit Positionsdaten ergibt sich zunächst ein statisches Bild. Aus dem Bild lässt sich im nächsten Schritt eine Bewegung erkennen. Diese Bewegung wird dann wiederum mit einem System und standardisierten Tools bewertet und interpretiert. Durch die Interpretation erfasster Positionsdaten erzeugen wir Informationen. Aus einem Standbild – am Ort X wurde ein Asset erkannt – generieren wir mittels verschiedener Logiken einen Film.

Welchen Wert schreiben sie der Zentralisierung von Identifikationsdaten zu?
Es ist nicht zielführend, wenn Identifikationsdaten aus verschiedenen Gründen von unterschiedlichsten Softwarewelten gewonnen und autark verarbeitet werden, da sich aus der Summe der Daten und Identifikationen noch mehr Informationen generieren lassen. Weiter spricht für eine zentrale Verarbeitung die Vermeidung redundanter Datenhaltung. In zentralisierten Informationssystemen existieren mehrere Schnittstellen und somit viele Möglichkeiten zu agieren. Zum einen könnten Daten direkt an übergeordnete Systeme weitergegeben werden, zum anderen könnten die Daten vor der Weitergabe zunächst mit unterschiedlichen Methoden zu Informationen ausgewertet werden.

An welchen Innovationen arbeitet Winckel aktuell?
Aus den tiefgreifenden Erfahrungen, die wir während der vielen Jahre in RFID-Technologie und Anwendung sammeln konnten, lassen wir nun eine Vision Realität werden. Wir entwickeln derzeit eine zentrale und standardisierte Informationslösung für mittelständische Unternehmen.
One Stop Shopping Center mit langer Tradition
Das Unternehmen Waldemar Winckel versteht sich als Full-Service-Anbieter in der RFID-Branche und Spezialist für RFID-basierte Informationssysteme. Das Unternehmen präsentiert sich als One Stop Shopping Center, welches dem Kunden in Bezug auf Informationslösungen von Beratung, über Software, Device Management, technische Integration, bis hin zum Verbrauchsmaterial nahezu alles bietet. Unter der Marke identytag® produziert Winckel Smart Labels und Transponder für unterschiedliche Branchen.
Der Produktionsbereich des bereits im Jahr 1861 als Hersteller von Kolonialwarentüten und als Druckerei gegründeten Unternehmens eroberte mit Aufkommen der Identifikationstechnologie eine neue Branche. Zunächst auf Barcode fokussiert, begann man im Jahr 2000 damit, sich mit der damals als Zukunftstechnologie wahrgenommenen RFID-Technik zu befassen. Ende August 2013 wurde das einstige Kerngeschäft Barcode abgestoßen. Seitdem verlässt, abgesehen von kleineren Ausnahmen, „kein Etikett mehr ohne RFID-Transponder das Werk“, so Jörg Bald. Die Produktion ist geprägt durch eine fortschreitende Diversifikation. So gehören zum Produktspektrum mittlerweile unter anderem auch Typenschilder und NFC-fähige Bierdeckel.

Im Interview Jörg Bald, Geschäftsführer bei der Waldemar Winckel GmbH & Co. KG.

RFID im Blick im November 2014
Internet: www.rfid-im-blick.de

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